TABUTHEMA KREBS?

469.800 Menschen erkrankten im Jahr 2008 neu an Krebs. 2006 waren es noch 43.000 Menschen weniger. Diese Zahlen beruhen auf Schätzungen des epidemiologischen Krebsregister in Deutschland (www.gekid.de) und des Zentrum für Krebsregisterdaten am Robert-Koch-Institut (www.rki.de), die diese im Februar 2012 in ihrer Broschüre „Krebs in Deutschland 2007/2008" veröffentlicht haben.
Insgesamt starben 215.400 Menschen im Jahre 2008 an einer Krebserkrankung, in etwa jeder vierte Todesfall in Deutschland also. Die häufigsten Krebsdiagnose beim Mann ist der Prostata-Krebs, bei der Frau der Brust-Krebs. Dann folgen bei beiden Geschlechtern mit Abstand Darm- und Lungen-Krebs.
Während Todesfälle in Folge der HIV-Infektion dank moderner Medikamente bei weniger als einem 100sten der Infizierten im Laufe eines Jahres auftreten, verstirbt nahezu jeder Siebte der mit Krebs diagnostizierten.
Viele, die eine Krebsdiagnose erhalten, haben eine Überlebenszeit von weniger als 6 Jahren, während viele, die mit HIV leben, hoffen dürfen, bis an ihr Lebensende mit der einstmals so gefährlichen Erkrankung leben zu können.
Dennoch scheint diese Erkrankung, die im Laufe einer Generation bis zu einem Drittel aller Menschen betrifft, in den Köpfen der Menschen ein Tabuthema zu sein.
Viele, die eine Krebsdiagnose erhalten, haben eine Überlebenszeit von weniger als 6 Jahren, während viele, die mit HIV leben, hoffen dürfen, bis an ihr Lebensende mit der einstmals so gefährlichen Erkrankung leben zu können.
Dennoch scheint diese Erkrankung, die im Laufe einer Generation bis zu einem Drittel aller Menschen betrifft, in den Köpfen der Menschen ein Tabuthema zu sein.
Wie viele an Krebs erkrankte Menschen kennst du persönlich?
Mal abgesehen von nahen Verwandten oder Freunden wissen wir über kaum jemanden, der an Krebs erkrankt ist. Aber woran mag dies liegen?
Mal abgesehen von nahen Verwandten oder Freunden wissen wir über kaum jemanden, der an Krebs erkrankt ist. Aber woran mag dies liegen?
Selbst HIV-Infizierte, so scheint es, gehen offener mit ihrer Infizierung um, denn hier kennen viele jemanden aus dem Verwandten- oder Bekanntenkreis, den es betrifft. Darum geht es in unserer Umfrage zu einem Thema, das betroffen macht.

Claus, Essen:
Ich bin schon als Kind in den 70er- Jahren in Berührung mit Krebs geraten, zum Teil bei Nachbarn, bei Eltern von Schulkameraden, später noch Verwandte und Arbeitskollegen. Der erste Vorfall (70er- Jahre) war eine Nachbarin, die frühzeitig von einem Tumor in der Brust befreit wurde - durch Therapie geheilt.
Der Vater eines Schulkameraden wurde (in den 80ern) vom Krebs im Bauch/Körper angegriffen, was leider zu spät entdeckt wurde, so dass er innerhalb von 6 Monaten starb. Ein anderer Nachbar, ein älterer Herr, wurde Anfang der 90er wegen Hodenkrebs operiert und durch die Therapie geheilt. 2004 wurde ein ehemaliger Arbeitskollege von Leukämie getroffen, nach einer harten Therapie und Knochenmarkspenden hat er den Krebs besiegt und in 2006 wurde mein Onkel von Lungenkrebs angegriffen, nach harter Therapie hat er den Kampf gegen den Krebs verloren. Ich sehe nicht, dass es hier eine höhere Schamgrenze gibt, sondern denke, dass beim Krebs, wenn er zu spät diagnostiziert wird, eine wesentlich geringere Erfolgschance gibt, die Betroffenen Hoffnung schenkt.
Die medizinischen Forschungen sind schon sehr weit gekommen und viele Krebspatienten haben eine Möglichkeit, krebsfrei zu leben, aber oft ist die Diagnose leider noch ein Todesurteil. Und dann nur noch eine Frage der Zeit, wie lange es noch dauert, bis der Krebs siegt.
In der Gesellschaft wird dies auch widergespiegelt und es ist für einen Außenstehenden schwierig, Betroffenen Mut zuzusprechen und gegen den Tumor zu kämpfen. Meiner Meinung nach gibt es nicht die Ängste, einem Krebspatienten nahe zu kommen, wie es leider bei von HIV Betroffenen vorkommt. Bei HIV gibt es noch viel zu viele Vorurteile und trotz Aufklärung noch viele Unsicherheiten in Bezug auf Ansteckungsgefahren. Bei Krebs weiß man, wie er entsteht.
Egal um welche Krankheit mit einer hohen Sterberate es geht, viele Betroffene ziehen sich zurück und wissen nicht, was sie wie wem erklären sollen. Manche können es möglicherweise nicht ertragen, zu sehen, wie Verwandte, Freunde oder Nachbarn leiden und dass er/sie nicht mehr die lebensfrohe Person ist, die man gerne in Erinnerung behalten möchte. Manche Patienten stoßen selbst aus gleicher Begründung das soziale Umfeld ab.
Viele wollen auch keine Mitleidsstimmung und verschweigen lieber, wie krank man ist, um die Umgebung eben nicht damit zu belasten. Viele belügen sich selbst und reden sich dann ein, es geht ihnen gut. Bis es halt gar nicht mehr geht. Viele Betroffene suchen sich auch andere Ansprechpartner für Sterbethemen, z. B. einen Priester, Psychologen oder Selbsthilfegruppen.
Mit dem Tod zu ringen ist ein schwerer Tanz, den man am Ende verliert. Aber wer möchte, während man lebt, auch nur noch daran denken, wie man bald sterben wird. Viele, die diesen Tanz nicht mitgemacht haben, wissen leider nichts damit anzufangen und versuchen es meist nicht wahrzuhaben.
Ich bin schon als Kind in den 70er- Jahren in Berührung mit Krebs geraten, zum Teil bei Nachbarn, bei Eltern von Schulkameraden, später noch Verwandte und Arbeitskollegen. Der erste Vorfall (70er- Jahre) war eine Nachbarin, die frühzeitig von einem Tumor in der Brust befreit wurde - durch Therapie geheilt.
Der Vater eines Schulkameraden wurde (in den 80ern) vom Krebs im Bauch/Körper angegriffen, was leider zu spät entdeckt wurde, so dass er innerhalb von 6 Monaten starb. Ein anderer Nachbar, ein älterer Herr, wurde Anfang der 90er wegen Hodenkrebs operiert und durch die Therapie geheilt. 2004 wurde ein ehemaliger Arbeitskollege von Leukämie getroffen, nach einer harten Therapie und Knochenmarkspenden hat er den Krebs besiegt und in 2006 wurde mein Onkel von Lungenkrebs angegriffen, nach harter Therapie hat er den Kampf gegen den Krebs verloren. Ich sehe nicht, dass es hier eine höhere Schamgrenze gibt, sondern denke, dass beim Krebs, wenn er zu spät diagnostiziert wird, eine wesentlich geringere Erfolgschance gibt, die Betroffenen Hoffnung schenkt.
Die medizinischen Forschungen sind schon sehr weit gekommen und viele Krebspatienten haben eine Möglichkeit, krebsfrei zu leben, aber oft ist die Diagnose leider noch ein Todesurteil. Und dann nur noch eine Frage der Zeit, wie lange es noch dauert, bis der Krebs siegt.
In der Gesellschaft wird dies auch widergespiegelt und es ist für einen Außenstehenden schwierig, Betroffenen Mut zuzusprechen und gegen den Tumor zu kämpfen. Meiner Meinung nach gibt es nicht die Ängste, einem Krebspatienten nahe zu kommen, wie es leider bei von HIV Betroffenen vorkommt. Bei HIV gibt es noch viel zu viele Vorurteile und trotz Aufklärung noch viele Unsicherheiten in Bezug auf Ansteckungsgefahren. Bei Krebs weiß man, wie er entsteht.
Egal um welche Krankheit mit einer hohen Sterberate es geht, viele Betroffene ziehen sich zurück und wissen nicht, was sie wie wem erklären sollen. Manche können es möglicherweise nicht ertragen, zu sehen, wie Verwandte, Freunde oder Nachbarn leiden und dass er/sie nicht mehr die lebensfrohe Person ist, die man gerne in Erinnerung behalten möchte. Manche Patienten stoßen selbst aus gleicher Begründung das soziale Umfeld ab.
Viele wollen auch keine Mitleidsstimmung und verschweigen lieber, wie krank man ist, um die Umgebung eben nicht damit zu belasten. Viele belügen sich selbst und reden sich dann ein, es geht ihnen gut. Bis es halt gar nicht mehr geht. Viele Betroffene suchen sich auch andere Ansprechpartner für Sterbethemen, z. B. einen Priester, Psychologen oder Selbsthilfegruppen.
Mit dem Tod zu ringen ist ein schwerer Tanz, den man am Ende verliert. Aber wer möchte, während man lebt, auch nur noch daran denken, wie man bald sterben wird. Viele, die diesen Tanz nicht mitgemacht haben, wissen leider nichts damit anzufangen und versuchen es meist nicht wahrzuhaben.

Jörg, Marienheide:
Die meisten Menschen, die ich kenne, schämen sich für ihre Krebserkrankung. Eine sehr gute Freundin von mir hatte ca. 30 Jahre um ihr Leben gekämpft, aber leider verloren. Sie wünschte sich ein Kind, hat extra geheiratet (obwohl lesbisch veranlagt), da bekam sie Gebärmutterkrebs. Das hat sie in ein psychisches Loch geworfen, sie bekam dadurch Depressionen und wurde deshalb von der Adoptionsstelle abgewiesen.
Nach ein paar Jahren bekam sie Lungen- und Hautkrebs, mit Chemo und Tabletten wurde ihr geholfen. Nachdem sie einige Zeit Ruhe hatte, kam der Hautkrebs wieder.... sie wurde mehrmals operiert und bekam wieder Chemo. Sie hatte sich als „Versuchskaninchen" für die Forschung zur Verfügung gestellt (z.B. Stammzellen züchten und stark abgekühltes Eigenblut mit neuen Stammzellen, unter Vollnarkose, einzuspritzen), das hatte ihr Leben verlängert. Nur hatte sie weiter unter Depressionen und verschiedenen OPs (Brustkrebs, Vaginalkrebs, Oberschenkelkrebs, usw.) zu leiden, nicht zu reden von den Nebenwirkungen und Schmerzen. Mit 54 hatte ihr Herz nicht mehr mitgemacht.
Wir Freunde wussten um ihren Kampf, aber sie wollte sich nichts anmerken lassen, um nicht als „behindert" in Watte gepackt zu werden. Auch wollte sie nicht ewig über ihren Krebs erzählen, sondern über positive Dinge und am Leben teilhaben.
Über Krebs liest und hört man jeden Tag und das bekommt jeder, egal ob hetero oder schwul und das ist ein Makel für die meisten Betroffenen. HIV/Aids bekommen doch nur Schwule, was geht uns das an, ist die Mentalität der Menschen. Ich selber habe meine rote Schleife vom Revers abgemacht, weil ich ständig ausgegrenzt und von der Seite angeschaut wurde, obwohl ich nicht positiv bin. In Krefeld gibt es eine Menge Plakate, die die Menschen aufrütteln sollen, aber es wird suggeriert, dass die Menschen mit der roten Schleife an HIV/Aids erkrankt sind.
Die meisten Menschen, die ich kenne, schämen sich für ihre Krebserkrankung. Eine sehr gute Freundin von mir hatte ca. 30 Jahre um ihr Leben gekämpft, aber leider verloren. Sie wünschte sich ein Kind, hat extra geheiratet (obwohl lesbisch veranlagt), da bekam sie Gebärmutterkrebs. Das hat sie in ein psychisches Loch geworfen, sie bekam dadurch Depressionen und wurde deshalb von der Adoptionsstelle abgewiesen.
Nach ein paar Jahren bekam sie Lungen- und Hautkrebs, mit Chemo und Tabletten wurde ihr geholfen. Nachdem sie einige Zeit Ruhe hatte, kam der Hautkrebs wieder.... sie wurde mehrmals operiert und bekam wieder Chemo. Sie hatte sich als „Versuchskaninchen" für die Forschung zur Verfügung gestellt (z.B. Stammzellen züchten und stark abgekühltes Eigenblut mit neuen Stammzellen, unter Vollnarkose, einzuspritzen), das hatte ihr Leben verlängert. Nur hatte sie weiter unter Depressionen und verschiedenen OPs (Brustkrebs, Vaginalkrebs, Oberschenkelkrebs, usw.) zu leiden, nicht zu reden von den Nebenwirkungen und Schmerzen. Mit 54 hatte ihr Herz nicht mehr mitgemacht.
Wir Freunde wussten um ihren Kampf, aber sie wollte sich nichts anmerken lassen, um nicht als „behindert" in Watte gepackt zu werden. Auch wollte sie nicht ewig über ihren Krebs erzählen, sondern über positive Dinge und am Leben teilhaben.
Über Krebs liest und hört man jeden Tag und das bekommt jeder, egal ob hetero oder schwul und das ist ein Makel für die meisten Betroffenen. HIV/Aids bekommen doch nur Schwule, was geht uns das an, ist die Mentalität der Menschen. Ich selber habe meine rote Schleife vom Revers abgemacht, weil ich ständig ausgegrenzt und von der Seite angeschaut wurde, obwohl ich nicht positiv bin. In Krefeld gibt es eine Menge Plakate, die die Menschen aufrütteln sollen, aber es wird suggeriert, dass die Menschen mit der roten Schleife an HIV/Aids erkrankt sind.


