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GUSTAV PETER WÖHLER

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Gustav Peter Wöhler ist begnadeter Sänger und Schauspieler und inzwischen mehr als ein Geheimtipp auf den Bühnen der Republik.

Du stehst als Schauspieler und Sänger auf zwei Beinen, welches ist dein Lieblings-Standbein?
Je nach Lage des Untergrundes, es kommt darauf an, was ich gerade mache. Oft sehne ich mich, wenn ich in einem Metier bin, nach dem anderen. Aber meistens sehne ich mich doch nach der Musik.

Einer deiner Songs heißt „Sex, Musik & Prügeleien" – ist das mit 3 Schlagworten – dein Leben?
Die Prügeleien nicht. Ich schlage mich nicht, da habe ich noch nie was mit zu tun gehabt. Aber Sex auf jeden Fall,. Manchmal denke ich sogar, dass ich neben meiner Musiksucht auch sexsüchtig bin.

Deine neue CD heißt „Boys don't cry" – weinen die auch dann nicht, wenn man bei Prügeleien den Kürzeren zieht?
Die Songs sind ja eher ironisch gemeint; ich habe aber generell keine Probleme mit dem Weinen. Ich heule auch wenn der Sex Scheiße war.

Du bist mit deiner Größe das Gegenteil vom „Großen Blonden ...." – hattest du als Kleiner oft Zoff mit Gleichaltrigen?
Nein, ich bin nie gemobbt worden, weil ich zu klein war. Ich bin immer nur gemobbt worden, weil ich zu fett war. Klein waren wir damals alle. Ich bin nur später nicht mehr gewachsen und blieb bei 1,69 m stehen.

Es gab Zeiten in deiner Kindheit, als du 100 Kilo auf die Waage brachtest. Was rätst du Jugendlichen, die dem Diktat der normierten Schönheit unterliegen?
Wer schlank sein möchte, muss genauso dafür etwas tun wie jemand, der dick ist. Manche können nicht schlank sein, ich wäre es früher gerne gewesen. Ich habe versucht abzunehmen, aber ich werde immer so bleiben. Aber: Auch aus Dicken kann etwas Gutes kommen.

Das macht dich heute ja auch einzigartig. Welche Zeugnis-Noten hattest du denn im Fach Musik?
Eigentlich immer „Gut", wir hatten allerdings lediglich in der Grundschule das Fach, auf der Realschule wurde Musik eher vernachlässigt. Ich hatte aber da schon mit 15 meine erste Band, so eine Schüler-Band, mit der man keinen Pfennig gewinnen konnte. Später mit 19 wurde ich dann von einer anderen Band angerufen, die dringend einen Sänger suchten. Ich bin zur Probe und das hat wunderbar zusammen gepasst.
Bis zu meiner Schauspielschulzeit bin ich mit denen im westfälischen Raum rumgetingelt. Meine Sprachlehrerin an der Schauspielschule meinte, dass der Rock'n Roll meine Stimme kaputt machen würde; das stoppte das Ganze. Heute weiß ich, dass das nicht stimmt. Damals hatte ich vielleicht keinen Ansatz, heute habe ich meine Atemstütze und gute Techniken, mit denen ich umzugehen weiß.

Was bringt dich zur Weißglut?
Ungerechtigkeit, Mobbing, Intoleranz. Dann bekomme ich Kotzanfälle und werde auch aggressiv.

Wo gehst du hin, wenn du – wie ein Filmtitel von dir heißt - „Urlaub vom Leben" brauchst?
Am liebsten mit einem Buch ins Bett. Wenn das Buch nicht da ist, suche ich mir nen Kerl. Nein, seitdem ich verheiratet bin, hat sich das natürlich geändert. Aber wir haben eine Vereinbarung und gehen sehr offen miteinander um; also wenn da mal was ist, dann darf man auch mal fremdgehen. Wir sind da nicht so streng. Aber wenn mein Buch gerade spannend genug ist ...

Was liest du zurzeit?
„Abschiedssymphonie" von dem schwulen amerikanischen Autor Edmund White, der über die harten Anfangszeiten von Aids in den USA schreibt. Da kommt man schon zum Nachdenken: Gott, was haben wir damals alles getrieben, hatten jeden Abend drei Kerle in der Sauna und sich nicht im geringsten Gedanken darüber gemacht, was daraus alles hätte werden können.
Als 1983 der erste Artikel über Aids erschien, bin ich sofort ins Hamburger Tropeninstitut gegangen, weil ich nach meinem umtriebigen Leben damit gerechnet hatte, positiv zu sein. Zum Glück hatte ich das Glück, es nicht zu sein. Ich habe den Sex zwar daraufhin nicht eingestellt, dazu hatte ich überhaupt keine Lust, aber ab der Zeit habe ich nur noch Safer Sex betrieben; man wird ja vorsichtiger.

Wovor hast du Angst?
Vor Gewalt. Vor Einsamkeit. Vor Dingen, die von außen kommen. Ich bin nicht gerade ein Angsthase, obwohl mein Mann das immer behauptet. Der reist in alle Ecken der Welt und ich habe immer ein wenig Angst, z. B. nach Burkina Faso.
Vielleicht könnte ich mutiger sein in meinem Leben. Ich bin ja auch mutig, wenn ich Saunen besuche, da kenne ich kein Pardon; aber die kleinen alltäglichen Dinge machen mir manchmal schon Angst, weil ich denke, dass ich die nicht gebacken kriege.

Stammt die Sexsucht aus der Angst heraus, alleine zu sein?
Das kann sein. Mit „Sexsucht" habe ich das so bezeichnet, weil es ja nicht geht, dass man 3x die Woche in die Sauna rennt. Das mache ich heute nicht mehr und ich kann sogar sehr offen sagen, dass ich vor 1 ½ Monaten meinen letzten Sex hatte; das wäre früher überhaupt nicht möglich gewesen. Damals war anonymer Sex für mich eine Befriedigung all meiner Wünsche und Sehnsüchte, und das schon mit 13 Jahren!

Welcher Typ Mann macht dich denn an?
Der butche Typ, der Bär. Kräftige Männer und die dürfen auch ruhig etwas älter sein. Sozusagen der „BOX-Typ".

Kommen wir zur Schauspielerei: Ein Tatort-Film mit dir hieß „Ein Hauch von Hollywood" – gerade posierten Stars und Sternchen bei der Oscar-Verleihung auf dem roten Teppich. Wäre das auch eine Bühne, auf der du mal gerne stehen möchtest?
Ich bin ja schon öfters über rote Teppiche gelaufen, wie kürzlich bei der Berlinale. Das ist Gewohnheitssache; früher bin ich immer hinten herum gegangen, weil ich den offiziellen Weg über den Teppich sehr unangenehm fand. Wir sind in Cannes gewesen – mein Mann ist ja beim Film. Ich bin auf den letzten Drücker über den Teppich gewetzt - denn es gab nur diesen Weg ins Kino – alle amüsierten sich und hinter mir sagte jemand über Lautsprecher „Take your time". Als ich dann ins Auditorium kam, lachten sich alle kaputt, weil der Gang über den Teppich im Saal übertragen wurde. Seitdem habe ich die Angst davor irgendwie verloren.

Du hast neben Jan Josef Liefers in „Es liegt mir auf der Zunge" einen Film über das Leben des 1. Fernsehkochs Clemens Wilmenrod gemacht; welche Seite ist dir lieber, die am Herd oder die sitzend am Tisch?
Persönlich ist mir die am Tisch lieber. Ich bin ein schlechter Koch, da bin ich nicht so für zu haben. Ich bin aber ein sehr guter Esser, wie man ja auch sieht; Essen ist doch etwas Großartiges.

Es ersetzt ja auch schon mal den Sex, oder?
Das stimmt, wenn ich guten Sex habe, esse ich weniger. Ich bin ein guter Gastgeber: ich koche zwar nicht, aber was das ganze Drumherum betrifft, da bin ich sehr gut.

Früher warst du eher der Komiker, heute sieht man dich auch in ernsten Rollen, welche Rolle ist schwieriger?
Das kommt immer auf den Charakter der Figur an. Ich versetze mich in die Figur hinein und muss dann so spielen, dass ich das rüberbringe. Ich wurde auch wegen meinem Äußeren oft in die lustige, komische Rolle gedrängt.

Dem deutschen Publikum bist du im 2. Teil als einer der 7 Zwerge im Gedächtnis, spielte da die Hamburg-Connection eine Rolle?
Ganz und gar nicht. Ich weiß noch beim Casting für den 1. Teil, dass mich Otto ganz fürchterlich fand; er wollte mich nicht haben. Später haben sich die Produzenten die Casting-Bänder angesehen und ich habe die Rolle dann im 2.Teil bekommen. Otto mag so Leute wie mich wahrscheinlich nicht, es hat während des Drehs nicht sonderlich zwischen uns funktioniert.

„Er scheint die ideale Besetzung des deutschen Durchschnittsbürgers zu sein und ist aus der deutschen Kinolandschaft nicht mehr wegzudenken".
Empfindest du das als Kompliment oder eher als falsches Schubkastendenken?
Wenn das dann tatsächlich so ist, empfinde ich das natürlich als Kompliment und darüber wäre ich sehr froh.

Du lebst offen schwul, gab es da nie Probleme?
Nur immer dann, wenn man auf Leute traf, die mit Schwulsein nichts anfangen konnten. Man ist Außenseiter und wird zu bestimmten Sachen nicht eingeladen. Große und bekannte Künstler haben nie Probleme damit, es sind immer nur die Möchtegerns. Mich hat das nie gestört, an der Theaterschule waren wir eine Clique von 4 Schwulen, wir haben das gelebt und rumgetuckt, dass die Heide wackelte. Peymann (Intendant am Berliner Ensemble) kam damals in Bochum gar nicht damit klar, Zadek fand Schwule immer gut und Baumbauer hat das nie interessiert.
Wer sich aber erschrocken hat, war Otto. Der hatte Angst, dass die Bild-Zeitung davon erfuhr, dabei wussten die das längst von mir. Er hatte Panik, weil das ja ein Kinderfilm sei, worauf ich konterte, dass Kinder wissen , dass es Schwule gibt, dass ich ja nicht in der Rolle schwul bin und nicht vorhätte, die anderen Zwerge durchzuficken.

Dabei warst du noch nicht der einzige Schwule am Set.
Dazu sage ich besser nichts. Bei dem durfte man ja nicht mal in die Nähe des Wortes „schwul" kommen. Aber da muss jeder sein Glück machen.
nWie reagiert ein heterosexuelles Publikum auf schwule Themen?
Lediglich in kleineren Orten sitzen Leute, die bei dem Thema etwas pikiert reagieren, in Großstädten ist das überhaupt kein Problem mehr.

Bist du heute immer noch „einsam"?
Nein, ich bin ja seit 2008 mit Albert Wiederspiel verheiratet, dem Veranstalter des Hamburger Filmfestes.

Du coverst Kylies „Can't get you out of my heart" - erinnerst du dich an dein „ Erstes Mal"?
Eher daran, als ich zum ersten Mal verliebt war. Da war ich 18 und total verknallt. Er war ein Bär, Student aus Bielefeld und hieß Fritz. Wir hatten auch Sex miteinander, aber letztendlich wollte er mich nicht.

Wie war das mit deinem Outing?
Zu Hause zu outen war gar nicht drin, meine Eltern waren ja früh verstorben. Meine Schwester hatte durch einen Liebesbrief Wind davon bekommen, den ich mit 14 an meinen Physiklehrer geschrieben hatte, Das wurde mit dem Satz „Das machst du nie wieder" totgeschwiegen. Irgendwann merkte ich, wenn ich das immer verstecken würde, käme auch immer mehr Stress auf mich zu. Ich wollte frei sein, nicht lügen und meine geheimen Wünsche später nie außerhalb der eigenen Familie ausleben, wie das viele verheiratete Männer heute machen. An einem Samstagmorgen habe ich mich bei meinen Freunden geoutet, und die Reaktionen waren „Na und?" sowie „Das wussten wir doch längst".

Man sagt „Hinter jeder Frau steckt ein Mann", wie viele frauliche Anteile stecken denn in dir?
Ich denke 50:50, das ist bei mir sehr ausgeglichen.

Würdest du für eine Rolle auch in ein Frauenkleid schlüpfen?
Wenn das eine gute Rolle beinhaltet. So wie bei Matthias Schweighöfers „Rubbel die Katz" oder Robin Williams „Mrs. Doubtfire".

Hast du dich mal nackt fotografieren lassen?
Ganz nicht. Ich habe ein paar selbstgemachte Fotos, aber die kriegt nicht jeder zu sehen.

Wofür hättest du gerne mehr Zeit?
Für meinen Mann. Wenn einer Zeit hat, hat der andere keine. Das würde ich gerne einmal besser koordinieren. Wir sind ja beide beruflich ständig unterwegs; demnächst ist er in Istanbul, dann in Serbien, danach in Cannes.

In unserer letzten Ausgabe fragten wir: Ist Berlin die Hauptstadt der Schwulen? Wie ist deine Meinung?
Nein, Berlin hat zwar eine Riesenszene, zieht viele Leute an und bietet unglaublich viele Möglichkeiten; aber Hauptstadt der Schwulen? Nein, finde ich nicht. Köln ist die Pionierstadt, wo das schwule Leben erst richtig in den Alltag hineingebracht worden ist. Hamburg hat eher einen dörflichen Charakter; die Münchner Szene kenne ich leider nicht. Berlin? Da wohnen aber mit Sicherheit die meisten Schwulen.

Wie könnte der Titel deiner Biografie lauten?
„Klein, dick, sexy." Ich bin ja schon einmal angefragt worden, aber was soll ich da schreiben. Die, die mich kennen, wissen doch schon alles. Ich schreibe Tagebuch, das sollte reichen. Aber vielleicht, wenn ich irgendwann mal den „Oscar" bekomme ...

Für welche Rolle wäre das dann?
Den Oscar bekommt man meist, wenn man kranke, behinderte oder berühmte Personen spielt. Da würde ich gerne in der Neuverfilmung des Quentin Crisp die Hauptrolle übernehmen. Dafür müsste ich aber dann 40 kg abnehmen, ins Fitnessstudio und mehrere Botoxpartys besuchen und das wäre mir zu anstrengend.

Wie sind deine Pläne in der nächsten Zeit?
Filmisch gesehen kommt am 29. März der 3. Teil von „Das Sams" ins Kino. Dann läuft eine Geschichte auf ORF und es gibt irgendwann die Buchverfilmung von „Das Verbrechen". Musikalisch bin ich ständig unterwegs, da reicht ein Blick auf meine Homepage.

Nenn mir noch deine 4 Traum-Promis, die du gerne bei deiner Sams-Kinopremiere in der 1. Reihe sehen würdest.
Die Streisand. Die Middler. Joe Dallesandro. Und Sepp Bierbichler, ein großartiger Münchner Schauspieler, in den ich schon immer hoffnungslos verknallt war.

Bild und Text: vvg
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