CHRISTIANE FALK

„Wo die Leute nett und tolerant sind, wo die Musik nach meinem Geschmack ist und ich mich wohl fühle, da will ich ausgehen oder auflegen.“
Du moderierst bekanntermaßen für 1Live im Wechsel mit Kollegen die Sendung „Plan B“ sowie „Lautstark“ auf DASDING, als auch bei N-JOY, bist als DJ unterwegs, schreibst Kritiken und Berichte für Musikmagazine, moderierst auf Bühnenkonzerten und Festivals wie z.B. dem Southside Festival oder bei Rock am Ring. Bleibt da Zeit für dein Privatleben?
Ich hab das Glück, das ich in meinem Beruf gleichzeitig meinen Hobbys nachgehen kann. Neben meinen Sendungen bei 1Live, DASDING und N-Joy schreibe ich auch für Zeitungen. Ebenfalls über Musik und über meine andere Lieblingsbeschäftigung: Reisen. Ich bin alle paar Monate unterwegs, und oftmals schreibe ich dann darüber. Das kann die Wanderung auf dem Jakobsweg sein, ein Städtetrip nach New York oder eine Ausstellung in Hamburg.
Mir machen diese verschiedenen Bereiche großen Spaß, ich will - zumindest bisher - nicht weniger arbeiten. Darüber hinaus genieße ich aber durchaus mein Privatleben und versuche, mir so viel Zeit wie möglich für die Menschen zu nehmen, die mir wichtig sind.
Demnächst legst du auf der „7 Jahre My Secret Garden meets Pulstar“-Party auf dem Kölner CSD auf, in welche Musikrichtung gehst du auf der Party und welche hörst du privat am liebsten?
Wenn ich bei der „My Secret Garden“ auflege, dann geht das von der Musikauswahl in Richtung 1Live Plan B, also Indiepop und Indierock. Manchmal gibt’s dazu auch noch geschmackvolle 80er- Jahre - Songs.
Das Repertoire geht da von Florence And The Machine, Two Door Cinema Club, Bloc Party, Adele bis hin zu Hot Chip und Robyn, aber ich lege auch gerne mal was Älteres wie die Violent Femmes, The Clash oder die Beatles auf. Das entspricht alles auch meinem privaten Musikgeschmack, wobei ich wohl am liebsten Gitarrenmusik höre. In meiner Ewigenliste sind Kettcar und Pearl Jam ganz vorne, aber ich höre auch oft und gerne Singer/Songwriter wie James Vincent McMorrow und Hardcore und Punk wie den von Refused oder Rise Against. Ich hab schon lange nicht mehr gezählt, aber ich denke, ich habe um die 8000 Alben, da ist für jede Stimmung was dabei.
Welches Verhältnis hast du zur (im weitesten Sinne) schwullesbischen „Szene“?
Wenn Szene bedeutet, dass es Partys sind, wo nur der und die reindarf, weil er / sie eine bestimmte sexuelle Orientierung hat, dann bewege ich mich eher nicht (gerne) in Szenen. Schwul, mixed oder rein hetero sind so Definitionen, in denen ich mich selten bis gar nicht für oder gegen eine Party entscheiden würde. Am liebsten mag ich es so gemischt, wie es im Alltag eben auch ist. Wo die Leute nett und tolerant sind, wo die Musik nach meinem Geschmack ist und ich mich wohl fühle, da will ich ausgehen oder auflegen.
Du bist früher im Badischen auf eine Klosterschule gegangen. Inwieweit hat dich das persönlich geprägt? Und wie siehst du selbst das Verhältnis der Kirche zur Homosexualität?
Ich bin evangelisch und war auf einem katholischen Gymnasium. Religion als Fach war Pflicht bis zum Abitur, dazu konnte man freiwillig mittwochs in den Schulgottesdienst gehen, musste aber nicht. Ich habe das immer mal wieder gerne gemacht, weil es Spaß gemacht hat, den vorzubereiten und da mitzusingen. Ich gehe auch heute alle paar Jahre mal freiwillig in einen Gottesdienst, aber die Kirche spielt in meinem Leben keine Rolle. Ich gehe da heute rein, wenn ich Ruhe brauche, oder weil mich die Architektur des Bauwerks interessiert. Die Institution hat aber nichts mehr mit meinem Glauben zu tun.
Zur zweiten Frage: Ich verachte alle Institutionen und Einzelpersonen, die Homosexualität verurteilen, demnach auch die katholische Kirche.
Wenn ich dich bei „Plan B“ höre, wirkst du immer extremst relaxed, während du z.B. bei facebook postest, dass gerade dies und jenes schief geht oder stresst. Woher nimmst du dir beim Moderieren/Arbeiten die Ruhe?
Ich bin beim Moderieren auf eine gesunde Art und Weise angespannt, sonst wäre ich nicht konzentriert, aber ich fühle mich trotzdem wohl und bin nur in wenigen Momenten mal nervös. Nach so vielen Jahren „Plan B“ oder „Lautstark“ habe ich eine gewisse Routine und weiß: Es geht immer weiter, auch wenn mal technisch was schief geht oder man sich verspricht. In den Themenbereichen, die in meinen Sendungen auftauchen, fühle ich mich sicher, weil ich sie mir nicht anlesen muss, sondern weil ich sie lebe. Musik, Literatur, eigentlich alles was man unter Popkultur im weiten Sinne packen kann, das bestimmt meine Arbeit genauso wie meine Freizeit.
Offenbar hat alles, was du beruflich machst, mit Musik zu tun... Die Frage muss also gestellt werden, hast du dich selbst mal musikalisch versucht?
Ja. Ich habe mit sieben Jahren angefangen, Hammond-Orgel zu spielen und dann mit 13 aufgehört, Unterricht zu nehmen. Heute schalte ich die Orgel nur noch selten ein, leider. Ich könnte mit ein bisschen Übung wohl Keyboard in einer Band spielen, aber ehrlich gesagt höre ich lieber anderen beim Spielen zu.
Du interviewst von Die Ärzte, Gossip, den Arctic Monkeys bis hin zu Coldplay so einige Bands und Künstler. Wie umgänglich sind diese in einem Interview?
Die meisten Bands und Musiker sind nett, ganz besonders, wenn sie merken, dass man sich mit ihrer Musik beschäftigt hat. Manche haben aber nichts zu sagen, obwohl sie gute Musik machen.
Wirklich enttäuscht war ich selten, aber kam natürlich auch schon vor, sogar bei Musikern, deren Musik ich wirklich toll fand. Da denkt man dann schon immer dran, wenn man danach deren Musik hört oder auflegt. Ich erinnere mich aber lieber an die besonderen Begegnungen. Grönemeyer gehörte da dazu, mit dem ich einmal sehr lange sprechen durfte, Coldplay waren auch jedes Mal nett und interessant und ich habe ihnen immer Schokolade mitgebracht, die sie sofort verputzt haben, Gossip sind wahnsinnig lustig und charmant, Maximo Park sind schlau, lustig und redegewandt, Olli Schulz ist nahezu ein Selbstläufer genau wie Die Ärzte. Ich fand es auch bizarr, Britney Spears zu treffen oder Puff Daddy, aber da bekommt man dann Interviewzeit von zehn Minuten, da kann man nicht viel mehr als Standardkram fragen. Das Drumherum ist dann das eigentlich Aufregende, z.B. mit welch unfassbarer Entourage die anreisen oder Ansagen des Managements, welche Fragen man nicht stellen darf.
Zurück zum Auflegen. Welcher Song rettet jede Party? Welcher killt jede Party?
Das kommt natürlich auf das Publikum an. Ich lege gerne einen Mix aus großen Hits und kleineren Perlen auf. Mir geht es nie drum, zu beweisen, wie viel ich kenne, das kann ich alleine zu Hause machen. Bei einer Indieparty liege ich mit Bands wie Muse, Arcade Fire oder Placebo nie falsch.
Bei einer Lautstark-Party funktionieren zwei Songs immer und in jeder Stadt: „Chop suey“ von System Of A Down und „Smells like teen spirit“ von Nirvana.
Welches ultimative Partyevent/-ereignis sollte deiner Meinung nach in diesem Jahr wirklich keiner verpassen?
Die Sieben Jahre My Secret Garden meets Pulstar Party zum CSD in Köln. Es wird drei Floors geben, so dass sowohl House als auch Indie- als auch Popfans auf ihre Kosten kommen. Das Line-Up ist Hammer: Es kommen internationale DJs wie HORSE MEAT DISCO (Strut, !K7 / London) und KIM ANN FOXMAN (von Hercules and Love Affair / New York) und dazu einige bekannte Local-DJ-Teams. Ich lege zusammen mit REGINA PEPER (Kölncampus, Backstage Diaries) auf. Das Venue wird bis Ende Juni geheim gehalten, aber dann auf der Facebook-Seite der My Secret Garden bekannt gegeben. www.facebook.com/events/230688260367789/
Welche Meinung hast du als Moderatorin und DJ zur Gebührenumstellung der GEMA, die ab 2013 gelten soll?
Das kann und darf so nicht passieren. Es wäre der Tod für viele Clubs und Partys. Ich denke, da werden sich genügend Macher und Partygänger zusammen finden und sich dagegen wehren, dass es dazu nicht kommt. Ich bin gerne bereit, mich am Protest zu beteiligen.
Interview: M. Kraft Bild: Christine Falk



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