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WER SCHIESST DEN SCHWULEN VOGEL AB?

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Die Katholische Kirche und ihre lesbischen und schwulen Mitglieder in ihr nahestehenden Vereinen

Der Fall des schwulen Schützenkönigs von Münster, Dirk Winter und seinem Partner Oliver Hermsdorf, hat deutlich gemacht, wie es in Deutschland in den katholischen Vereinen und Verbänden um die lesbischen und schwulen Mitglieder bestellt ist.
Die katholische Kirche wurde bei uns nicht nur von der Geistlichkeit, den Priestern und Bischöfen geprägt, sondern auch von den vielen katholischen Vereinen und Verbänden. Sie sind oftmals das Sprachrohr der Gläubigen bei ihren Pfarrern und Bischöfen. Besonders in den Dörfern ist das katholische Vereinsleben sehr ausgeprägt, so dass hier auch selbstverständlich Schwule und Lesben, ob offen oder versteckt, Mitglieder sind.
Als nach der Säkularisation 1803 in Deutschland die kirchliche Freiheit unterdrückt wurde und die damals bereits seit Jahrhunderten bestehenden Bruderschaften sich nicht mehr außerhalb der Kirchen betätigen konnten, kam es in Mainz 1848 zum Zusammenschluss der deutschen Katholiken zu einer Katholikenemanzipation, aus der der erste Katholikentag hervorging. In den Gemeinden entstanden damals Vereine und Verbände für Arbeiter, Akademiker, Kaufleute sowie Frauen und Mütter. Aus den Jugendverbänden für Jungfrauen und Jungmänner ging in den 1920er- Jahren der Bund der katholischen Jugend hervor. Als in der NS-Zeit auch katholische Vereine verboten wurden, gab es trotzdem in vielen Gemeinden geheime Treffen in kirchlichen Räumen. Gerade in diesem geheimen Gruppen trafen sich auch viele Schwule, die versteckt lebten, da sie durch den §175 verfolgt wurden.



Nach dem Ende des Dritten Reiches entfalteten auch die kirchlichen Vereine und Verbände eine große Aktivität und sind seit damals über ihre Mitglieder auch in vielen Landtagen und im Bundestag vertreten. Besonders die Vereine Kolping, die katholische Arbeiterbewegung und die Akademikervereine mit ihren Studentenverbindungen bestimmten das christliche politische Leben der Nachkriegszeit innerhalb der CDU und CSU maßgeblich. Trotz des noch bestehenden §175 waren hier auch viele Lesben und Schwule tätig, um beruflich Karriere zu machen. In der Zeit haben auch viele Schwule und Lesben unter dem Druck von Elternhaus und den Vereinen geheiratet. Viele dieser Ehen wurden später auch von katholischen Ehegerichten für nichtig erklärt, da nach dem Kirchenrecht Schwule und Lesben nicht ehefähig sind, soweit aus der Verbindung keine Kinder hervorgegangen sind.

Als in den 1960er- Jahren in den Universitäten die Studentenrevolten ausbrachen, kamen auch Schwule und Lesben aus ihren Löchern und machten mit. Selbst in den theologischen Abteilungen machten Schwule und Lesben mobil. Besonders heftig waren die Auseinandersetzungen der Homosexuellen an der Uni Tübingen. Diese veranlassten den damaligen Prof. Joseph Ratzinger, den heutigen Papst Benedikt XVI, die Uni Tübingen fluchtartig zu verlassen und eine Professur in Regensburg anzunehmen. Danach war 1969 die Zeit für eine Reform des §175. Durch die Öffentlichkeitsarbeit der sich danach bildenden Schwulen- und Lesbengruppen veränderte sich langsam die Einstellung der Bevölkerung gegenüber homosexuellen Menschen. Besonders dazu beigetragen hat auch die Arbeit der HuK (Homosexuelle und Kirche) auf den Kirchen- und Katholikentagen. Auch die vielen CSD-Veranstaltungen der letzten 25 Jahre, an denen viele Millionen Menschen teilnahmen, haben daran einen erheblichen Anteil. Bis auf wenige christliche Fundamentalisten, die gegen die CSDs demonstrieren, haben sich die CSDs inzwischen zu Volksfesten entwickelt, an denen Normalbürger zusammen mit der LGBT-Community feiern.

Inzwischen spielt Homosexualität in den meisten katholischen Vereinen und Verbänden kaum eine Rolle, insofern dass man nicht extrem damit auftritt. In vielen Vereinen haben Schwule und Lesben eine leitende Stellung. Mancher Kirchenchor wäre ohne seine homosexuellen Mitglieder nicht mehr einsatzfähig. Wie wir im Fall des schwulen Schützenkönigs aus Münster sehen konnten, werden mittlerweile auch schwule und lesbische Partnerschaften akzeptiert. Soweit der Pfarrer und die leitenden Personen in der Gemeinde mitspielen, gibt es keine Probleme. Wenn der Bischof dann auch noch zur Ansicht kommt, dass sein Eingreifen nur zu Unruhe oder sogar zum Aufstand gegen ihn führen würde und deswegen dazu schweigt, ist alles okay. Leider gibt es aber auch die Erzkonserativen und Ewiggestrigen, die keine Veränderung in der Kirche und Gesellschaft wünschen. Diese Gruppe hat auch beim schwulen Schützenkönig Krawall gemacht, hatte aber durch das Eingreifen des Präses der Deutschen Schützen-Bruderschaften Bischof Dr. Heiner Koch keinen Erfolg, der die Angelegenheit sehr diplomatisch löste.
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