DIE LEGALISIERUNG DES BÖSEN ...

Selten gibt es Staatsbesuche, die soviel Aufsehen erregen wie der Besuch von Papst Benedikt XVI. Die Auftritte des Papstes waren vom Vatikan, der Bundesregierung und der Deutschen Bischofskonferenz bestens inszeniert. Was der Papst seinen Landsleuten zu sagen hatte, stand aber bereits von vornherein fest. Der Grundgedanke des Besuches kam schon durch das Motto „Wo Gott ist, da ist Zukunft" zum Ausdruck. Auf die Beziehung zu Gott komme es an, auf die reine Lehre, und die heilige Kirche, sagte der Papst. Neues sagte der Papst nicht. Viele Reden des Papstes stammen fast wörtlich aus einem Buch des Papstes von 1969, als er noch Professor Joseph Ratzinger war. Seinen bayrischen Herrgottswinkel hat Ratzinger auch als Papst nie verlassen, er hat die katholische Kirche und sich selbst mit einem Panzer von Dogmen umgeben.
Nur in seiner philosophischen Rede vor dem Bundestag streifte der Papst kurz das Thema Gleichgeschlechtlichkeit, als er von der Natur des Menschen sprach. Was der Papst genau sagte, haben die meisten Zuhörer aber nicht verstanden. Der Grundgedanke der Aussagen des Papstes war, dass die Gleichstellung von Homosexuellen eine Legalisierung des Bösen bedeute. Dass der Papst ein Mann des Wortes ist, zeigte er, als er seine Aussagen so verpackte, dass selbst die Abgeordneten den Inhalt nicht verstanden. Es empfiehlt sich, die Papst-Rede einmal genau im Internet nachzulesen. Trotzdem war die Bundestagsrede für den Papst und das Parlament ein voller Erfolg. Von allen Seiten gab es Beifall, selbst die Parteispitze der Linken beklatschte die Rede heftig. Selbst unser schwules Urgestein im Bundestag, der Papst-Kritiker und Grünen-Politiker Volker Beck stellte fest, dass der Papst eine sehr interessante Rede gehalten habe. Dennoch sei der Bundestag dafür der falsche Ort gewesen.
Bereits Monate vor dem Besuch hatte sich ein buntes Bündnis von ca. 70 Organisationen auf eine Demo zum Papstbesuch vorbereitet. Dazu gehörten neben der AIDS-Hilfe, Pro Familia, DGB, der Humanistischen Union auch viele linke Gruppen sowie zahlreiche schwul-lesbische Gruppen. Die HuK (Homosexuelle und Kirche) war nicht im Bündnis vertreten, da nach ihrer Ansicht viele Gruppen dabei wären, die der Kirche und dem Christentum feindlich gegenüber stehen. Die HuK organisierte mit anderen Gruppen wie z.B. der Initiative „Kirche von unten" eigene Protestkundgebungen. Viel Aufmerksamkeit fand die Eucharistiefeier in der St. Thomas-Kirche in Kreuzberg mit den beiden katholischen Priestern Norbert Reicherts und Christoph Schmidt aus Köln. Sie sind ein schwules Freundespaar und haben die Kölner Seelsorger Initiative www.lichtblickederseele.de gegründet, nachdem ihnen ihre Seelsorgerstellen vom Erzbischof von Paderborn und dem Bischof von Essen genommen wurden.
Wie inzwischen aus Berlin bekannt wurde, haben die beiden Priester von Berliner Erzbischof Woelki und dem Kölner Kardinal Meisner böse Briefe erhalten. Man kann den beiden Priestern nur Mut machen, ihre Arbeit fortzusetzen. Sie sind gültig geweihte Priester nach der katholischen Lehre, und dieses Priestertum kann ihnen nicht genommen werden.
Der Papst zeigte Verständnis für die Demonstranten, obwohl nach Polizeiangaben etwa 9000 Personen gegen den Papstbesuch in Berlin auf der Straße waren. Das Presseamt des Vatikan zitierte den Papst mit folgenden Worten: „Proteste sind normal in einem säkularisierten demokratischen Land."
Warum aber geht der Papst nicht auf die Forderungen des Bündnisses ein? Warum nimmt er dazu keine Stellung? Die Haltung des Papstes ist menschenverachtend.
Dass es nicht zu Ausschreitungen kam wie beim Papstbesuch von Johannes Paul II in Berlin, dazu hat das Gespräch beigetragen, das der LSVD mit dem Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz Peter Hans Langendorfer und Erzbischof Woelki von Berlin im Vorfeld der Papstreise führte.
Von Karl-Heinz Scherer



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