FILM IM JANUAR

10 Jahre ist es schon her, dass Eytan Fox‘ im israelischen Militär spielender Film „Yossi & Jagger“ weltweit Eindruck machte. Mit einfachen Mitteln (und nicht von der Armee unterstützt) erzählte der Film eine berührende Liebesgeschichte. Heimlich nur leben die beiden im Titel erwähnten Soldaten ihre Liebe füreinander aus, doch dann wird Jagger in einem Hinterhalt tödlich verwundet. Ich nehme an, dass kaum einer von euch von dem Film nicht berührt war.
10 Jahre später hat Eytan Fox nun eine Fortsetzung gedreht. Eine Fortsetzung zu einer tragischen und beendeten Liebe? Bezeichnenderweise heißt der Film, der mehrere Jahre später angesetzt ist, auch nur noch „Yossi“. Yossi ist Kardiologe in einem Krankenhaus, hat sich seit dem Tod seines Geliebten eingeigelt und ein paar Pfunde angefuttert. Er ist noch lange nicht über Jagger hinweg, aber um wirklich mit seinem Leben weiterzumachen, dazu fehlt ihm auch nach Jahren der Antrieb. Er funktioniert im Grunde nur für die Arbeit.
Was also gibt es zu erzählen? Gute Frage, die ich mir auch gestellt habe. Ich möchte euch nicht die wenigen Punkte vorwegnehmen, aber es ist eine Geschichte, die fast nicht passiert wäre, weil der tragische und einsame Held sich in seinem Selbstmitleid suhlt. Er ist träge, leidend und distanziert, auch als Tom, ein junger und energischer Soldat, in sein Leben tritt. Tom ist alles, was Yossi nicht ist oder nicht zu sein glaubt: gutaussehend, selbstsicher, offen schwul, leidenschaftlich. Dennoch findet Tom Gefallen an Yossi.
Das alles findet jedoch erst in der zweiten Filmhälfte statt. So treffend das depressive Leben Yossis dargestellt ist, macht es den Charakter doch ziemlich unsympathisch. Natürlich muss das für die Wiedererweckung der Lebensgeister so sein, aber das Geplänkel der ersten Filmhälfte war (wohl nicht nur mir) eher fad und viel zu ausgedehnt. So einige werden sich hindurchkämpfen müssen zu der interessanteren zweiten Hälfte – wenn sie denn die Geduld haben.
Im Januar habt ihr jetzt mehrfach Gelegenheit, den Film selbst zu sehen. Wir wissen ja alle, wie verschieden Geschmäcker sind, und ich würde mich freuen zu erfahren, wie „Yossi“ bei euch angekommen ist.

Gute Unterhaltung wünscht euch Martin
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Gay-Filmnacht startet nach Pause neu (Kino)
Seit Ende 2008 lief in einer Reihe deutscher Cinemaxx-Kinos monatlich ein schwuler (und ein lesbischer) Film im Rahmen der Gay-Filmnacht. Vielerorts war dies die einzige Möglichkeit, überhaupt schwul-queere Filme im Kino zu sehen. Doch nach der Sommerpause 2012 blieb es ein halbes Jahr still, bis sich die Gay-Filmnacht zurückmeldete. Einige Kinos setzten die Reihe ab, viele neue kamen hinzu. Deswegen flimmern jetzt ab Januar wieder jeden Monat schwule Spiel-, Doku- oder Kurzfilme über die Leinwände in 20 deutschen Städten. Das Programm und die teilnehmenden Kinos findet ihr unter www.gay-filmnacht.de
Der Geschmack von Rost und Knochen (Kino)Letztes Jahr war sein Film „Bullhead“ zum fremdsprachigen Oscar nominiert, dieses Jahr spielt Matthias Schoenaerts, dieses Tier von einem Belgier, an der Seite der zerbrechlich wirkenden Marion Cotillard (Oscar für „La vie en rose“). Tatsächlich ist der neue Film von Jacques Audiard („Ein Prophet“) eine raue Schöne-und-das-Biest-Variante und erzählt von einer verunfallten Waltrainerin und einem überforderten, gewaltbereiten Single-Vater. Außergewöhnliche Aufnahmen und die großartigen Schauspieler verlieren jedoch ein gutes Stück weit gegen die überfrachtete, etwas willkürliche und selbstzerstörerische Geschichte. Ab 10.01. (Wild Bunch)
Sleepless Knights (Kino)Carlos verbringt jeden Sommer bei seiner Familie in der spanischen Extremadura, doch ist sein Vater mittlerweile hilfsbedürftig, in Madrid gibt es keine Arbeit für Carlos und diesmal lernt er den Polizisten Juan kennen. Doch in seinem Dorf wird noch immer die Vertreibung Fremder im Mittelalter gefeiert, entsprechend schwer ist die schwule Liebe dort. Der Debütfilm von Stefan Butzmühlen und Cristina Diz erzählt mehrere Handlungsstränge, die zwar schön gefilmt, aber fragmentarisch und sehr ausgedehnt wirken. Eher etwas für den poetischen Kinogänger. Ab 17.01. (Salzgeber)
Mixed Kebab (DVD)Bram Aydin (Cem Akkanat) ist türkischstämmiger Belgier. Für seine Familie geht er vordergründig auf Brautschau und versucht, ihren traditionellen Vorstellungen zu entsprechen, aber heimlich lebt er sein Schwulsein aus und verliebt sich in Kevin, der im Cafe seiner Mutter arbeitet. In seinem neuen Film beschäftigt sich Guy Lee Thys wieder mit der Vereinbarung von Islam und Abendland. Besonders mutig ist die Thematisierung vom verkehrten Fremdenhass, den muslimische Jugendliche gegen Einheimische hegen. Vielleicht weniger humorvoll als erwartet, aber durchaus sehenswert. Ab 30.11. (Pro-Fun)
Vito (DVD)Vito Russo war nicht nur wegen seines Werks „The Celluloid Closet“ einer der einflussreichsten schwulen Filmhistoriker, sondern auch neben Harvey Milk einer der ersten großen Helden der Schwulenbewegung. Der charismatische Aids-Aktivist engagierte sich bei der Organisation Act Up und gründete den schwul-lesbischen US-Medienwachhund GLAAD mit. Über 20 Jahre nach seinem Aids-Tod zeichnet diese Biografie-Doku mit Archivaufnahmen und Stellungnahmen bekannter Persönlichkeiten das inspirierende Leben Russos nach. Ein wichtiges Zeitdokument und ein bewegender Film. Ab 31.01. (Pro-Fun)
Bilder: Filmverlage



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