ROCK THE BOX OKTOBER

Deutschland ist ganz sicher ein lohnendes Ziel, wenn man Deep House und Tech House mag. Und jetzt, da die Temperatur langsam fällt, gibt es einen proportionalen Zuwachs an Leuten, die diese Wärme wieder gewinnen durch Tanzen in abgedunkelten Räumen zu üppigen deep house-Klängen.
Was macht eure Stücke besonders im Vergleich zu anderen Produzenten?
R23: Nun, darüber ein Statement abzugeben, fällt mir doch recht schwer. Das lasse ich lieber andere beurteilen, in wie fern ich mich da von anderen Produzenten unterscheide.
Egal in welchem Medium ich mich musikalisch ausdrücke, ob DJ oder als Musiker, hört mal wohl immer den Roger heraus... Was das aber genau ist, wäre in Worte nicht zu fassen, da sollte man auch das Wesen dazu kennen...
AF: Ich höre mir keine anderen Produktionen auf YouTube oder Beatport an, wenn ich arbeite. Ich spiele einfach Lego mit meinen Arbeitsmaterialien und irgendwas kommt dabei raus. Ich denke, das Geheimnis kann auch die Fantasie sein.
Gibt es irgendeinen besonderen Sound oder eine Stadt, die eure Kreativität anheizt?
R23: Oh, es gibt einige Städte, die mich in meiner Kreativität beeinflussen. Alleine das Reisen hinterlässt Spuren und oft passieren da skurrile Momente, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen und dann auch oft in irgendeiner Form verarbeitet werden. Sei es in der Musik oder im Gedankengut...
Aber wenn damit so etwas wie: ‚Den Finger in die Steckdose stecken' gemeint ist, wären das einige... Magisch sind Orte wie Mannheim, Istanbul, London, Melbourne oder Brüssel. Selbst ein kleines Dorf kann bei mir seine Spuren hinterlassen, solange der Vibe dort stimmt und es eventuell noch eine kleine, aber feine Spezialität gibt...
Dieses Gefühl hat viel mit der Umgebung zu tun und den Menschen, die da leben und letztendlich wie man dort aufgenommen wird...
AF: DJ Sneak und Miami.
Gibt es für euch ein Traum-Label?
R23: Nun, ein Wunschlabel in der Tat hab ich nicht. Mir sind die Visionen, die jemand verfolgt und sie letztendlich umsetzt, tausend mal wichtiger als dass ein Label eine große Reputation hat. Davon kann man sich nicht wirklich viel kaufen... Außer einen unwirklichen Fame...
Das Gesamtpaket muss für mich stimmen und ob man die gleichen Vorstellungen hat.
Man könnte sagen, dass man somit mehr Menschen auf sich aufmerksam machen kann, dennoch ist das nicht mein Ziel. Wenn ich jemanden mit meiner Musik erreiche und jedem einzelnen etwas mitgeben kann, dann reicht mir das... Egal ob das 5 sind oder 1000. Große Mengen wirken da eher suspekt. Zumal man für einen Moment beklatscht wird, da es alle tun, aber nicht weil man davon überzeugt, ist... Übermorgen ist man schon wieder vergessen...
AF: Plastic City für Deep und Be As One/Ovum für Techno. Dort werde ich auch hinkommen!
Wer macht im Moment sehr gute Musik?
R23: Das ist eine echt gute Frage, die ich nicht wirklich beantworten kann, da ich im Moment wieder verstärkt in der Vergangenheit bin. Und da ich ein paar Producern mehr abgewinnen kann als denen aus der Gegenwart... Mir ist die Musik entweder oft zu zeitbezogen und nicht darauf ausgelegt, dass sie eine längerfristige Wirkung hat... Auf dieses Musik-Consuming steh ich nicht...
Womit ich mich allerdings beschäftige, das sind Musiker wie: Brian Eno, Klaus Schulze, Master C&J, dem Big Shot Label und und und.. Solange es mich berührt, ist alles super.
AF: Shlomi Aber, Ambivalent und viele andere. Ich glaube, für einen Producer ist es wichtig, sich umzusehen, aber sich von dem heutigen Medienrummel fernzuhalten.
Wenn es eine Zeitmaschine gäbe und ihr könntet in irgendein musikalisches Zeitalter reisen, wohin würdet ihr gehen?
R23: Eigentlich ist alles genau richtig für mich. Vielleicht wären nochmals die frühen 80er für mich interessant... Von der Musik her auf jeden Fall... Auch was da möglich war...
Immerhin hab ich damals schon sehr viel miterleben dürfen... Aber gerade die Tage am Anfang, wo noch mehr Auflehnung da war... Die hab ich nur am Rande mitbekommen.. Könnte mit dem heutigen Wissen recht interessant sein, diese Sache nochmals erleben zu dürfen... Vielleicht verstärkt es dann mehr, oder schafft mehr Sicht für eine neutrale Anschauung.
AF: 2089 Mars Club – ich wette, es wird Underground sein.
Von welchem Stück kriegt ihr eine Gänsehaut?
R23: Immer und noch BRIAN ENO - By This River
AF: Who say that/Coconut von Shlomi Aber. Deep, sexy und der Beat ist der Hammer! Ich bin es unwahrscheinlich leid, immer nur zwei-Noten-Akkorde zu hören, alle Mainstream-DJs spielen sie heute. Die Hand hat fünf Finger, also kann man auch Fünf-Ton-Akkorde komponieren...



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