ROCK THE BOX FEBRUAR

Willkommen in einem neuen und aufregenden Jahr der Tanzmusik!
Die Art, in der die Musik ihre Wirkung auf der Tanzfläche entfaltet und die europäische Clubszene hat in den letzten 12 Monaten einen großen Wandel erlebt. In der Musik scheint Dub Step eine große Anzahl Fans in der Hetero-Szene zu rekrutieren, während es in der schwulen Discoszene keinen Zuspruch findet. David Guettas Vorstoß der Kombination aus kommerziell-progressiv plus großen Akkorden und amerikanischen Sängern beherrscht die Charts, und das ist gut, weil es die Tanzmusik populär macht. Dieses hat aber scheinbar keine Bedeutung für die Underground-Musik, die immer langsamer, tiefer wird und sich auf die Grundelemente reduziert... wird sie zu „Schlaftechno"? Und Lady Gaga, muss man sie wirklich überall sehen? Vielleicht begründet sie einen Kult mit ihren kleinen Monstern?

Diesen Monat sprach ich mit zwei von unseren südlichen Nachbarn über Musik in Portugal. Dort liefern sich zurzeit die beiden Extreme kommerziell und Underground ein Duell.

Paulo Martins von den Azoren, auch bekannt als Paul M., ist hauptsächlich Produzent, aber auch DJ. Als autodidaktischer Produzent (er hat alles durch Probieren gelernt) sind Experimente sehr wichtig für ihn, ebenso wie seine ernsthafte Motivation zur Arbeit. Er ist Ende 20 und findet ziemlich leicht seinen Weg durch diesen Bereich der Clubs, weil er sich darum bemüht, eine gute Mischung von Stilen und Klängen sowohl zu produzieren als auch zu hören. Sein wichtigstes Ziel in seinen eigenen Worten ist es, die Zuhörer verschiedene Gefühle und Sinneswahrnehmungen durch seine Musik erfahren zu lassen, damit sie frei sein können. (Wenn ihr seine Musik hören wollt, geht auf www.soundcloud.com/paulomartinsmusic ). Paulo hat Veröffentlichungen und Remixe auf dem portugiesischen Label Kaos Records, Goldbrain und Sorry Shoes und ist Mitarbeiter bei AU und AU Blue Records. Mehr über ihn auf www.facebook.com/paulo.martins.music.

Miguel Fernandes aus Porto ist ein portugiesischer Producer-Kollege und erst 16 Jahre alt. Er hat nicht den vollen Zugang zu Erwachsenenclubs, aber in seiner Heimat gibt es eine große und lebendige Szene für Jugendliche. Er gehört schon zur nächsten Generation – Musiker und DJs, die unsere Zukunft formen werden. Allerdings wird er dann einer der Wenigen sein, die die Vergangenheit noch kennen. Miguel hat mit sieben Jahren mit Klavier und Schlagzeug angefangen und mit 12 hat er schon Software zur Musikproduktion getestet und Neuauflagen und DJ-Sets gemacht. Heute, wo er immer noch ziemlich jung ist, hat er schon eine beachtliche Liste von Remixes und Produktionen aufzuweisen auf Labels wie Fire Beats, Revealed (vom führenden holländischen Produzenten Hardwell), und er wird gespielt von Fedde Le Grand und anderen (siehe www.soundcloud.com/miguelfmusic) . Im Jahr 2012 will er ein neues Alter Ego für seine neue, tiefere Musikrichtung erschaffen und er ist dem DJ Mag Top 500-Produktionstrio Club Banditz beigetreten (siehe www.soundcloud.com/clubbanditz für Updates!).
Erzählt uns ein bisschen, wie ihr die Szene in Portugal findet.
PM: So wie ich es sehe, ist Portugal dabei, sich sehr gut zu entwickeln. Die elektronische Musik etabliert sich sehr gut, jedes Genre wird sehr schnell bekannt, weil immer mehr Producer lernen, wie man die Tanzfläche zum Beben bringt. Wir haben auch sehr gute DJs und die Discos und Nachtclubs sind voll mit Partygängern. Also ich sehe das so, die Tanz-Szene in Portugal wächst sehr schnell.
MF: Unglücklicherweise wird die Tanzszene in Portugal mit jeder Sekunde schlechter. Ich meine damit, dass meine liebsten „Underground"-Clubs schließen müssen, weil sie mit den großen Clubs nicht mithalten können. Hier engagieren die großen Clubs NUR kommerzielle DJs.
Wer sind die besten einheimischen Producer und DJs?
PM: Für meinen persönlichen Geschmack sind die besten Unik, James Brook, Carlos Fauvrelle, Luis Leite, DJ Vibe, Frank Maurel. Wir haben auch sehr viele gute DJs: DJ Vibe, Unik, Massivedrum, Pete Tha Zouk, The Fox, Mastiksoul, DJ Nox und Di Paul.
MF: Pete K und JoGuedez sind zwei hervorragende junge Producer! Und Peter Oliver ist ohne Zweifel ein großer DJ, der bald auch House-Producer sein wird!
Welchen Musikstil spielt und produziert ihr gerne?
PM: Ich mag fast jede Art von Musik. Ich mache elektronische Musik nach meinem Gefühl. Mein größtes Interesse ist progressive House, ich liebe es einfach! Aber ich mache auch electro, deep, tech, sogar chill out-Musik. Man kann einfach sagen, ich kann mich gut mit Musik artikulieren. Was ich für Musik mache hängt ab davon, wie ich mich dann gerade fühle.
MF: Alles von Tech-House bis House und auch etwas progressive House. Ich mache einfach gerne gute Musik. Manchmal werde ich wach und mir fällt ein klassischer Akkord ein, manchmal auch eine rave-heavy-Basslinie, es kommt ganz auf meine Stimmung an!
Wann sollte man am besten nach Portugal fahren, um gute Tanzmusik zu genießen?
PM: Die beste Zeit für elektronische Musik ist der Sommer. Dann gibt es hier viele riesige Festivals und Partys.
MF: Vielleicht Dezember bis April. Danach fängt der Sommer an und dann gibt es nur kommerzielle und seichte Musik (heißt aber nicht, dass es unbedingt schlecht ist).
Was sind eure nächsten Pläne?
PM: Ich mache nicht mehr so viel als DJ. Meine Leidenschaft ist Produktion. Wie ich gesagt habe, ist die Musik für mich eine wichtige Ausdrucksform. Ich arbeite gerade an einigen EPs. Die nächste ist inspiriert vom Weltraum, sie enthält drei Original-Tracks: Exoplanet, Inexpectatus Lunae und Saturn und sie erscheint bald. Andererseits experimentiere ich auch mit Drum&Bass und Dub Step, wobei ich eine etwas „aggressivere" Seite von mir ausdrücke, und es gibt noch zwei deep-house-Stücke, an denen ich arbeite. Also ihr seht, ich halte mich selbst an der Arbeit.
MF: Ich bin jetzt in einem portugiesischen Projekt namens „Club Banditz", und ich glaube, das wird sehr gut!



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